
Vom Todesstreifen zur Lebenslinie
Winston Churchill prägte in seiner Rede "Sinews of Peace" in Missouri 1946 den Begriff "Eiserner Vorhang" für diese Barriere zwischen den beiden politischen und militärischen Systemen. Für vier Jahrzehnte bildete der Eiserne Vorhang eine fast unüberwindbare physische und ideologische Grenze in Europa.
Die politische Wende wurde 1989 eingeleitet als am 19. August das "Paneuropäische Picknick" an der ungarisch-österreichischen Grenze nahe der Stadt Sopron stattfand. Während dieser Veranstaltung sollte die Grenze zwischen beiden Ländern symbolisch für kurze Zeit geöffnet werden. Über 600 Touristen aus der DDR nutzten die kurzzeitige Öffnung des Eisernen Vorhangs zur Flucht in den Westen. An der selben Stelle hatten bereits am 27. Juni 1989 die beiden Außenminister von Österreich und Ungarn gemeinsam den Grenzzaun durchtrennt. Der Prozess der Wiedervereinigung von Deutschland und Europa hatte begonnen.
Entlang der innerdeutschen Grenze war es auch von westdeutscher Seite aus verboten, das "Niemandsland" vor dem Streckmetallzaun zu betreten, da dies DDR-Gebiet war. Doch die dort lebenden Vogelarten konnten von den unmittelbar an der Grenze verlaufenden Wegen des Bundesgrenzschutzes sehr gut erfasst werden. Vor der furchteinflößenden Grenze hatten die Tiere kaum Respekt - nicht selten wurden die Betonpfähle als Singwarte "zweckentfremdet".

So kartierten Naturschützer des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) bereits seit 1975 die Natur des Grenzstreifens von der Westseite aus und belegten die große Arten- und Lebensraumvielfalt des damaligen Todesstreifens.
Als nach 40 Jahren die unmenschliche Grenze durch den Mut und das Engagement vieler Ostdeutscher endlich fiel, war klar, dass dieser einmalige Naturschatz erhalten werden musste. Aus dem Todesstreifen sollte ein "Grüner Streifen des Friedens" werden, so stand es in der ersten Pressemitteilung des Bund Naturschutz (BN).
Im Dezember 1989 organisierte der BN das erste gesamtdeutsche Treffen mit 400 Naturschützern aus Ost und West an der bayerisch-sächsischen Grenze in Hof. Hier wurde die Idee und der Name "Grünes Band" geboren und die erste Resolution zu dessen Schutz einstimmig beschlossen. 13 Jahre später bei der Einweihung des LandArt Projektes "WestÖstliches Tor" im Eichsfeld durch Michail Gorbatschow, wird die Vision des Europäischen Grünen Bandes ins Leben gerufen.
Das Grüne Band ist nicht nur eines der bedeutendsten Naturschutzprojekt, sondern auch ein lebendiges Denkmal der jüngeren deutschen Zeitgeschichte, dass für zukünftige Generationen zu sichern ist.
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