Auf Zeitreise nach "Little Berlin"

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Mit dem Fahrrad von Hof über Mödlareuth ins Selbitztal
(je nach Ziel 57 bzw. 49 km, 1032 bzw. 833 Hm Steigung)

 

 

Die Stadt Hof stand im Herbst 1989 im Fokus der Medien, als die ersten Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft im Westen ankamen. Heute erinnert ein Denkmal am nördlichen Bahnhofsvorplatzes an die friedlich erzwungene Grenzöffnung.

An diesem geschichtsträchtigen Bahnhof starten wir zu unserer Radtour ans Grüne Band. Am Bahnhofsvorplatz halten wir uns schräg links und fahren die Königstraße hinab ins Saaletal. Dort folgen wir zunächst den Schildern des Saale-Radwegs, die ein kleines "M" (Mündung) als Zusatz haben, durch die Stadt. Die Route führt im Stadtgebiet am "Fernwehpark" mit Schildern aus aller Welt sowie am Theresienstein vorbei, der im Jahr 2003 zum schönsten Park Deutschlands gekürt wurde. Im Hofer Stadtteil Unterkotzau unterqueren wir die Brücke der Bahnstrecke Hof-Plauen, die heute Teil der "Sachsen-Franken-Magistrale" ist.

In Unterkotzau verlassen wir das Saaletal und folgen dem Radweg "Grenztour HO 8" in Richtung Feilitzsch und Trogen ins flachhügelige Bayerische Vogtland. Unmittelbar hinter Ullitz beginnt Sachsen. Auf einem kurzen Abschnitt entlang der B 173 ist am breiten Seitenstreifen jener Bereich zu erkennen, in dem sich von November 1989 bis Juni 1990 die damals neu eingerichtete Grenzkontrollstelle befand.

Beim Dorf Blosenberg zeugen zwei Wachtürme von der einstigen DDR-Grenze. Das Grüne Band erstreckt sich hier überwiegend durch extensiv genutzte Offenlandbereiche. Hoch über Heinersgrün thront auf einer Bergkuppe 540 Meter über dem Meeresspiegel die im Mittelalter erbaute Kapelle Sankt Clara.

Wir radeln weiter nach Gutenfürst. Der Bahnhof dieses Dorfes an der Strecke Hof-Plauen war zur DDR-Zeit eine Grenzübergangsstelle. Wo einst die Reisenden in den Schnellzügen während einer längeren planmäßigen Fahrtunterbrechung "gefilzt" worden sind, ist heute nur noch ein Bedarfshalt für Regionalzüge.

Über Grobau führt unsere Route zurück in Richtung Bayern. 600 Meter hinter Grobau - am zweiten Betonplattenweg hinter dem Dorf - erläutern Info-Tafeln die Besonderheiten des Grünen Bandes im Bereich der Gemeinde Burgstein. Die extensiv bewirtschafteten Wiesen bieten einen wertvollen Lebensraum für seltene bodenbrütende Vogelarten, wie Wiesenpieper, Braunkehlchen und Rebhuhn. In den naturnahen Hecken brüten Neuntöter und Dorngrasmücke. Mit regelmäßigen Beweidungen durch Schafe verhindert man hier, dass die offenen Flächen verbuschen und schließlich ganz zuwachsen.


Braunkehlchen benötigen offene Landschaftsteile mit Flächen, auf denen sie ungestört am Boden brüten können.
"Little Berlin": Mauer und Stacheldraht trennten bis Herbst 1989 das geteilte Dorf Mödlareuth an der fränkisch-thüringischen Grenze.

An diesen Info-Tafeln verlassen wir die Straße nach rechts und radeln nun eineinhalb Kilometer auf dem Betonplattenweg zum Drei-Freistaaten-Stein. Hier grenzen Bayern, Thüringen und Sachsen aneinander. Der historische Grenzstein aus dem 19. Jahrhundert trägt die Initialen "KB" für das Königreich Bayern, "FR" für das Fürstentum Reuß und "KS" für das Königreich Sachsen. Auf der großen dreieckigen Brücke überqueren wir den Kupferbach und folgen dem schmalen Weg nach Süden. Der Radweg "Bayerisches Vogtland" führt zur Straße nach Münchenreuth. Von dort folgen wir dem "HO 8" weiter nach Mödlareuth.

"Little Berlin" nannten die Amerikaner das kleine Dorf an der fränkisch-thüringischen Grenze. Wie in kaum einem anderen Ort außerhalb von Berlin ist hier zu sehen, wie eine über Jahrhunderte gewachsene Siedlungsstruktur durch Mauer und Stacheldraht zerschnitten wurde.

Das Freigelände neben dem Deutsch-Deutschen Museum ist zweigeteilt: Der Abschnitt mit Betonsperrmauer, Kontrollstreifen und Metallgitterzaun ist auf 100 Meter Länge unverändert erhalten geblieben. Ebenfalls authentisch ist der hohe Beobachtungsturm auf thüringischer Seite. Im oberen Abschnitt des Freigeländes sind die verschiedenen DDR-Grenzanlagen aus dem 500 Meter breiten "Schutzstreifen" sowie aus der fünf Kilometer weit ins Hinterland reichenden Sperrzone zusammengestellt. Der hier aufgestellte verkürzte Beobachtungsturm stand einst bei Blankenstein.

Wir verlassen nun den "HO 8" und fahren ohne Tourenmarkierung auf der Straße geradeaus weiter über Juchhöh nach Hirschberg (Näheres zur Stadt, zum Landschaftspark und zum Museum siehe Wandertour 12). Dort erreichen wir wieder die Saale, der wir von nun an nochmals folgen. Die Flussmitte ist bis Blankenstein die Landesgrenze. Somit verläuft das Grüne Band in diesem Abschnitt entlang der Saale.

Über die Saalebrücke zwischen Hirschberg und Untertiefengrün erreicht man die fränkische Seite. Dort halten wir uns rechts und folgen den Schildern des Saale-Radwegs. Die große Schieferhalde unterhalb von Tiefengrün erinnert an das ehemals östlichste Schieferbergwerk entlang der fränkisch-thüringischen Grenze. Derartige Halden sind ein wertvoller Lebensraum für Reptilien (Siehe dazu auch die Wandertouren 6, 7, 11 und 12). 

Nach der Brücke über die Autobahn A 9 muss man sich in Rudolphstein am Gasthaus Vogel entscheiden, ob man der Saale nun auf fränkischer oder thüringischer Seite folgen möchte. Nach rechts gelangt man über eine Saalebrücke nach Sparnberg und von dort weiter über Pottiga und Blankenberg nach Blankenstein. Geradeaus führt die Panoramastraße über Eisenbühl nach Blechschmidtenhammer (Näheres zu diesem Abschnitt des Saaletals siehe Wandertour 11). Der Saale-Radweg ist auf beiden Seiten des Tals ausgeschildert.

Wer die Radtour nach Bad Steben fortsetzen möchte, folgt ab Blechschmidtenhammer den Zeichen mit der "3" des Bad Stebener Bike-Netzes geradeaus durchs Höllental. Diese letzten acht Kilometer sind identisch mit dem letzten Abschnitt der Wandertour 10.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner