Ein Hauch der einstigen Donaumonarchie am Wetzstein

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Rundwanderung zwischen Brennersgrün, Lehesten und Ziegelhütte (13 km, 257 Hm)

 

Zwischen dem Eppenberg in Bayern sowie dem Kießlich und dem Mittelbühl in Thüringen verläuft eine Jahrhunderte alte Grenze. Hier zieren kunsthistorisch bedeutende Wappensteine aus verschiedenen Jahrhunderten die Grenze. Sie legen Zeugnis ab von einer gemeinsamen Rechtskultur, erinnern aber zugleich an die frühere territoriale Zersplitterung der heutigen Freistaaten Thüringen und Bayern.

Acht Grenzsteine - der älteste aus dem Jahr 1513, der neueste von 1993 - markieren die heutige Landesgrenze südlich von Lehesten. Der Schönwappenweg verläuft entlang der sieben älteren Steine unmittelbar am Grünen Band.

Wir starten unsere Wanderung am Wanderparkplatz an der Ziegelhütte in der Nähe eines Windkraftrads. Der Rennsteig, der uns später auf der thüringischen Seite bis Brennersgrün führen wird, verläuft hier einige hundert Meter südlich der Landesgrenze. Deshalb folgen wir dem Rennsteig zunächst nur 200 Meter, halten uns dann links und folgen den Wegweisern  "Zum Kurfürstensteinweg R32" durch einen naturnahen Mischwald, bis nach weiteren 600 Metern der erste historische Grenzstein erscheint. Von dort geht es nun zwei Kilometer auf dem schmalen Waldpfad des Schönwappenwegs und zugleich entlang des Grünen Bandes weiter. In diesem Abschnitt des Biotopverbundes blühen im Herbst an den Bäumen und auf dem Boden im Heidebereich viele verschiedene Flechtenarten.

Als dritte historische Grenzmarkierung erscheint der Dreiherrenstein von 1717. Hier grenzten drei Hoheitsgebiete aneinander: Im Osten war das sachsen-saalfeldische Amt Probstzella, im Nordwesten das markgräflich brandenburg-bayreuthische Amt Lauenstein und im Süden das Oberamt Teuschnitz, das zum fürstbischöflich regierten Hochstift Bamberg gehörte.

Beim prächtigen Kurfürstenstein aus dem Jahr 1513 überqueren wir die fränkisch-thüringische Grenze und gelangen zur Kurfürstensteinhütte. Dort erfährt man an Info-Tafeln viel Wissenswertes über das Grüne Band, über die historischen Wappensteine sowie über die einstigen DDR-Grenzsperranlagen.

An der Kurfürstensteinhütte hebt sich das Grüne Band deutlich vom umgebenden Fichtenhochwald ab. Bis 1989 haben die DDR-Grenztruppen den Baumaufwuchs regelmäßig entfernt, um die Grenze besser kontrollieren zu können. Auf den mageren Böden entwickelten sich Zwergstrauchheiden. Hier haben viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten ein wertvolles Rückzugsgebiet, wie die Heidelerche, Sandlaufkäfer und Keulen-Bärlapp. Durch die Entbuschung des ehemaligen Grenzstreifens soll diese "Insel der Artenvielfalt im ausgedehnten Waldmeer" erhalten bleiben.

Wer die Rundtour abkürzen möchte, ohne den Wetzstein zu erklimmen, folgt dem Wegweiser zur Wegespinne "Stern", die sich 300 Meter weiter nördlich befindet (Fortsetzung siehe unten). Für die komplette Wanderung folgen wir nun dem Rennsteig, der 100 Meter vor dem "Stern" rechts abzweigt und durch einen dichten Fichtenwald nach Brennersgrün führt.

Dort zeigt ein Schild beim Parkplatz am Ortseingang den Weg zum Wetzstein. Wir folgen links dem Weg entlang der Straße in Richtung Lehesten, bis dieser nach 1100 Metern den Saale-Orla-Weg erreicht, überqueren dort die Straße und erklimmen den Wetzstein-Gipfel. Mit 792 Metern ist er der zweithöchste Berg des Frankenwaldes ? nach dem 794 Meter hohen Döbraberg bei Schwarzenbach am Wald. Die Gegend zwischen dem Wetzstein, Wurzbach und Blankenstein an der Saale gehört zwar zu Thüringen, wird aber seit jeher landschaftlich zum Frankenwald gezählt.


Erlebnisreiche Wanderung auf dem Kolonnenweg: Die Zwergstrauchheideflächen erscheinen in der Blütezeit als idyllisches Naturparadies.
Majestätisch erhebt sich der Altvaterturm auf dem Wetzstein. Die Aussichtsplattform ist ein lohnendes Ziel für jeden Wanderer.

Auf dem Wetzstein wartet eine Überraschung: Genau dort, wo die Staatssicherheit der DDR eine Kommando-Station hatte, steht heute der 36 Meter hohe Altvaterturm, der mit seiner markanten Architektur einen Hauch der früheren K. und k.-Monarchie Österreich-Ungarns verbreitet. Heimatvertriebene Sudetendeutsche errichteten hier von 2000 bis 2004 den Nachbau eines berühmten Aussichtsturmes. Das Original war ab 1908 auf dem Gipfel des 1492 Meter hohen Altvaters im mährisch-schlesischen Sudetengebirge gebaut und 1912 als "Habsburgwarte" eingeweiht worden. Dieser Turm verfiel 1959 und wurde abgerissen. Der Nachbau auf dem Wetzstein versteht sich als  Mahnmal gegen Gewalt und gegen jedwede Vertreibung von Menschen aus ihrer angestammten Heimat.

Am südlichen Ende des Wetzstein-Bergrückens, bei der Wanderhütte des Thüringer-Wald-Vereins, ist ein weiteres kleines Aussichtsplateau. Dort befinden sich Gebäude-Reste der früheren Grenztruppen.

Die roten Dreiecke des Saale-Orla-Wegs führen uns vom Altvaterturm am Westhang des Wetzsteins hinab zum "Stern". Wer in Brennersgrün gestartet ist, kann am "Stern" abkürzen und gelangt auf dem Rennsteig zurück. Für den Rückweg zur Ziegelhütte folgt man weiter den roten Dreiecken des Saale-Orla-Wegs, der nun 600 Meter auf einem Betonplattenweg verläuft. Hier befinden wir uns nördlich der Wasserscheide zwischen Main/Rhein und Elbe. Von der Loquitz-Quelle geht es entlang dieses Saale-Zuflusses talabwärts.

Nach weiteren eineinhalb Kilometern erscheinen rechts die riesigen Schieferhalden von Lehesten. Am Parkplatz an der Straße Ziegelhütte-Lehesten bietet sich ein Abstecher zirka 500 Meter nach rechts zum Technischen Denkmal des historischen Schieferbergbaus an (vgl. Tour 7). In der entgegengesetzten Richtung führen die Markierungen mit dem grünen Balken zurück ans Grüne Band und zum Schönwappenweg, wo sich der Kreis unserer Rundwanderung schließt.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner