Naturparadiese auf alten Schieferhalden

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Rundwanderung zwischen Lehesten, Steinbach an der Haide und Schmiedebach (14 km, 447 Hm)

 

Das Grüne Band verbindet auf der "Steinernen Heide" - dem Höhenrücken nördlich des Rennsteigs zwischen dem Loquitz- und dem Sormitztal - ein Naturschutzgebiet mit einem Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet im Bereich der ehemaligen Schiefergruben. Die stillgelegten Steinbrüche, Stollen und Schächte sowie die Halden sind ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten (siehe dazu auch Tour 6).

Wir beginnen unsere Wanderung an der Kirche, in deren Vorraum sich die größte jemals in einem Stück gehauene Schiefertafel befindet. Sie ist 3,08 Meter lang und 2,53 Meter breit. Durch die Kirchgasse und auf dem Zinkenweg gelangen wir zur Lehestener Dachdeckerschule. Wer dort werktags vorbeigeht, sollte sich die Zeit nehmen für eine Besichtigung der bunten, kreativen Schieferfassaden und der kleinen Modellhäuser auf dem Schulhof.

Nordwestlich der Dachdeckerschule folgen wir dem gelb markierten Weg, der durch eine kleine Allee führt. Wir überqueren die Straße und folgen dem gelben Balken noch weitere 500 Meter. Am Osthang des Lehestener Berges, auf dem ein alter Wachturm der DDR-Grenztruppen steht, verlassen wir den gelb markierten Rundweg und folgen geradeaus den grünen Markierungen. Auf diesem Weg, der abwechselnd durch offene Fluren und durch Fichtenwälder führt, überqueren wir die Landesgrenze und gelangen geradeaus zur Straße nach Steinbach an der Haide. Dort folgen wir der blauen "12" ins nahe gelegene Dorf.

Die Bürger von Steinbach an der Haide haben durch ihren großen Einsatz im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" 1967 und 1975 jeweils die Goldmedaille auf Bundesebene errungen. Wie in Lehesten und Schmiedebach ergänzen sich die kunstvollen Schieferfassaden zu einem harmonischen Ortsbild.


Jeder fängt einmal klein an: Neben der Lehestener Dachdeckerschule stehen Modellhäuser, an denen die Auszubildenden die Schieferdeckerkunst lernen.
Steinbach an der Haide: Blütenpracht am Dorfanger und traditionelle Schieferfassaden.

In Steinbach halten wir uns in der Ortsmitte rechts (in Richtung Lichtentanne) und folgen am Ortsende links der Straße zur Landesgrenze, die für Autos gesperrt ist. Hier hat der Bund Naturschutz Grundstücke im bayerischen Teil des Steinbachgrundes entlang des Grünen Bandes erworben, um die wertvollen Feuchtwiesen zu erhalten und die standortfremden Fichtenbestände in Laubwälder und Brachflächen umzuwandeln. Damit wurde dieser Abschnitt des Grünen Bandes ökologisch noch wertvoller.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Steinbachtals erreichen wir den Kolonnenweg, auf dem wir dem Bergbau-Symbol "Schlägel und Eisen" nach rechts folgen. Eine Reihe von Info-Tafeln erläutern am Schieferberg die ökologische Bedeutung der ehemaligen Bergbau-Gebiete. Die Tagebaue und Schieferhalden zählen zu den wertvollsten Flechtenstandorten Thüringens, was die Artenvielfalt und flächenhafte Verbreitung anbelangt. Auch andere seltene Arten haben hier einen wertvollen Lebensraum, wie Moose, Pilze, Reptilien, Schmetterlinge, Wildbienen und Spinnen.

Bei der Wanderung auf dem Kolonnenweg gelangen wir zu einem eisernen Tor, das als "Agentenschleuse" bezeichnet wird. Dieses auffällige Tor im Metallgitterzaun war jedoch nur ein Ablenkungsmanöver. Die DDR schleuste ihre Agenten in Wirklichkeit an anderen Stellen in den Westen, die nicht so offensichtlich waren.

Das Bergbau-Symbol leitet uns an der Rehbachhalde vorbei zur Straße nach Schmiedebach. Wir erreichen das Dorf im Nordwesten, wo sich die Zufahrt zur Mahn- und Gedenkstätte an das Außenlager "Laura" des Konzentrationslagers Buchenwald befindet.  

Über 2500 Häftlinge aus zehn Nationen mussten hier ab September 1943 unter menschenunwürdigen Bedingungen über und unter Tage Zwangsarbeit verrichten. In der Abgeschiedenheit des Thüringer Schiefergebirges ließen die Nazis im Oertelsbruch die geheimen V2-Raketen testen.  

Wir wandern auf der Ortsstraße durch Schmiedebach und folgen am unteren Dorfende den Bergbau-Symbolen des Schieferpfades, auf dem wir zurück nach Lehesten gelangen. Wer die Rundwanderung verlängern möchte, kann im Zentrum der alten Schieferbergbaustadt den markierten historisch-architektonischen Ortsrundgang unternehmen. Dabei lernt man die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Naturprodukt Schiefer kennen.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner