Forschungs- und Entwicklungs- (F+E-) Vorhaben "Fortentwicklung der Initiative Grünes Band Europa"

Das Grüne Band Europa, die wertvollen naturnahen Lebensräume entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs, die sich über mehr als 12.500 Kilometer vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer erstrecken, ist für den europäischen grenzüberschreitenden Naturschutz von herausragender Bedeutung. Heute arbeitet eine Vielzahl von Verbänden, Gruppen und Fachbehörden in den 24 beteiligten Staaten an dieser paneuropäischen Vision. Der Initiative gehören EU-Mitgliedsstaaten (davon 8 neue Mitglieder), Beitrittsländer, (potentielle) Beitrittskandidaten und Nicht-EU-Staaten (Norwegen, Russland) an.

Aufgrund der geographischen Ausdehnung und der Vielzahl von Akteuren, ist die Koordination der Initiative eine große Herausforderung, die innovative Koordinations- und Finanzierungsmodelle nötig macht. In dem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMU) geförderten F+E-Vorhaben (September 2011 bis August 2014) erarbeitet das BUND-Projektbüro Grünes Band, Regionalkoordinator für das Grüne Band Zentraleuropa, in Kooperation mit EuroNatur, Regionalkoordinator für das Grüne Band Balkan, daher neue, nachhaltige Konzepte zur Koordination, Finanzierung und zur internen und externen Kommunikation der europäischen Initiative Grünes Band.


Hintergrund

Bereits 1989 wurde das Projekt Grünes Band Deutschland durch den BUND initiiert. In den frühen 1990er Jahren gab es auch Initiativen für ein Balkan Green Belt und ein Fennoscandian Green Belt. Die Idee der Zusammenführung der Initiativen wurde insbesondere vom BUND im Jahr 2002 angestoßen und von EuroNatur unterstützt. Offizieller Start der europäischen Initiative war eine vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) veranstaltete internationale Konferenz im Jahr 2003 in Bonn. Während einer ebenfalls von BfN und BMU finanzierten und von IUCN (Weltnaturschutzorganisation) organisierten zweiten internationalen Konferenz im September 2004 verabschiedeten die Teilnehmer ein ambitioniertes Arbeitsprogramm (Programme of Work) für die Gesamtinitiative. Zudem wurde eine Koordinationsstruktur für die Initiative entwickelt, nach der die IUCN die Gesamtkoordination übernahm. Des Weiteren wurden für jeden der drei Hauptabschnitte (Fennoskandien, Zentraleuropa und Balkan) sogenannte Regionalkoordinatoren bestimmt und in jedem Land sogenannte National Focal Points, meist beim Umweltministerium angesiedelt, berufen.

Nachdem die IUCN von ihrer Aufgabe als europäische Koordinationsstelle zurückgetreten ist und die Akteurszahl und Tatigkeitsfelder der Initiative stetig wachsen, müssen nun neue Wege gefunden werden, Koordinations- und Kommunikationsstrukturen grenzüberschreitend und europaweit zu etablieren. 

Europäischer Biotopverbund und lebendiges Denkmal

Verschiedene Forschungsvorhaben und Erhebungen haben die herausragende ökologische Wertigkeit des Grünen Bandes Europa bereits belegt. In einem Korridor von 25 km beideseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs finden sich 3.000 Schutzgebiete u. a. 39 Nationalparke, von denen 7 sowohl auf West- als auch auf Ostseite bestehen. Das Grüne Band Europa ist daher für die Etablierung einer grünen Infrastruktur (Green Infrastructure) durch den Kontinent von besonderer Bedeutung. Neben dem Biotopverbund am Rhein und dem Ökologischen Verbund Alpen ist das Grüne Band eines der großräumigen, multinationalen Biotopverbundprojekte Europas. Die existierenden Schutzgebiete und naturnahen Landschaften sollen als Kerngebiete und die diese umgebenden und verbindenden Flächen als Trittsteine für Tier- und Pflanzenarten erhalten und entwickelt werden. Hierdurch trägt das Grüne Band zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity - CBD) und von Natura 2000 (FFH-Richtlinie, RL 92/43/EWG) bei.

Neben seiner ökologischen Bedeutung ist das Grüne Band Europa eine einmalige Erinnerungslandschaft und Denkmal für die Überwindung des Kalten Krieges. Die grenzüberschreitende Initiative kann nachhaltig dazu beitragen, Ressentiments zwischen Kulturkreisen und Ländern, wie sie z. B. vielfach noch auf dem Balkan bestehen, abzubauen und die Entwicklung der Zivilgesellschaft fördern.