Durch den idyllischen "Franken(ur)wald"

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Mit dem Fahrrad über den Rennsteig ins Selbitz- und Saaletal (je nach Ziel 40 bzw. 39 km, 539 bzw. 566 Hm Steigung, 692 bzw. 596 Hm Gefälle)

 

Am Ausgang des Bahnhofs in Steinbach am Wald halten wir uns rechts und erreichen den Rennsteig-Radweg am Ende der Straße. Dort überqueren wir die Straßenbrücke über die Frankenwaldbahn. Noch zur Zeit des geteilten Deutschlands hat der Bildhauer Heinrich Schreiber die zwei Sandstein-Skulpturen beiderseits der Brücke erschaffen. Seit 1984 symbolisieren diese "Brückensteine" die jahrhundertelange Verbindung zwischen Thüringen und Franken durch den Rennsteig.

Wir folgen dem asphaltieren Radweg bis zu dessen Ende an der Landesgrenze bei  Ziegelhütte. Dort besteht die Gelegenheit für einen kurzen Abstecher zum Schönwappenweg (Näheres siehe Wandertour 8. Der Rennsteig-Radweg verlässt bei Ziegelhütte die Route des gleichnamigen Wanderwegs und verläuft die folgenden zwei Kilometer auf der Straße, bis rechts ein geschotterter Radweg beginnt. Von diesem zweigt bald darauf der Weg zum Schieferpark mit dem technischen Denkmal des historischen Schieferbergbaus ab (Näheres siehe Wandertour 6).

Direkt am Radweg - zwischen dem Abzweig zum Schieferpark und Lehesten - erfährt man, dass der Schieferabbau ökologische Probleme aufgeworfen hat. Eine Info-Tafel erklärt die Funktionsweise einer ehemaligen Versuchsanlage, mit der man in den 1990er Jahren versucht hat, das saure Grubenwasser aus dem Schieferbergbau zu neutralisieren.

Wir durchqueren nun Lehesten auf der Straße nach Brennersgrün. Kurz vor dem Ortsausgang der einstigen Schieferbergbaustadt zweigt der Rennsteig-Radweg rechts ab und führt in einem großen Bogen südlich um den Wetzstein. Am sogenannten "Rondell" befindet sich eine außergewöhnliche Schutzhütte für Wanderer: Es handelt sich um einen Stahlbunker, der bis 1989 auf dem Wetzstein-Gipfel beim heutigen Altvaterturm stand. Darin befand sich einst die örtliche Kommando-Zentrale der Stasi (DDR-Staatssicherheitsdienst).

Wer den Altvaterturm auf dem Wetzstein besuchen möchte, hält sich an der Straße Lehesten-Brennersgrün links und folgt dieser Straße bis zum ausgeschilderten Straßenabzweig zum Berggipfel (Näheres zum Turm siehe Wandertour 8).

Nach dem Abstecher zum 792 Meter hohen Wetzstein-Gipfel radeln wir geradeaus durch Brennersgrün, halten uns dort am Ortsausgang in Richtung Tschirn links und durchqueren das Buchbachtal. Über Grumbach erreichen wir Rodacherbrunn und folgen von dort zunächst der links abzweigenden Straße nach Neundorf. Während Rennsteig-Wanderer im Wurzbacher Forst auf Wurzelpfaden unterwegs sind, bleiben die Radfahrer zunächst auf der Straße. Eineinhalb Kilometer hinter Rodacherbrunn ist der Rennsteig-Radweg nach rechts ausgeschildert.


Ein Aussichtsturm wie ein kleines Märchenschloss: der Altvaterturm auf dem 792 Meter hohen Wetzsteingipfel.
Im europäischen Vogelschutzgebiet an der fränkisch-thüringischen Grenze heimisch: der Schwarzstorch

Die Kuppe des 727 Meter hohen Kulmbergs erhebt sich aus dem Höhenrücken, auf dem auch der Rennsteig verläuft, weil das vulkanische Diabas-Gestein verwitterungsbeständiger ist als die umgebenden Meeresablagerungen. Den Wald rings um den Kulmberg könnte man als "Franken-Ur-wald" bezeichnen. Weil dieses Gebiet stets recht unzugänglich war, blieb hier ein Laubholz-Mischwald mit Bergahorn, Rotbuche und Gemeiner Esche erhalten, während derart naturnahe Wälder andernorts reinen Fichtenkulturen weichen mussten.

Der Kulmberg und die umliegenden Flächen gehören zum 14 Hektar großen Naturschutzgebiet "Kulm". Daran schließt sich das fast 1300 Hektar große Naturschutzgebiet "Jägersruh-Gemäßgrund-Mulschwitzen" an, das sich zwischen Titschendorf und Schlegel erstreckt. Beide Naturschutzgebiete sind Teilbereiche des 7209 Hektar großen europäischen Vogelschutzgebietes "Frankenwald-Schieferbrüche um Lehesten". Dieses großräumige Schutzgebiet reicht von den Schieferbrüchen um Lehesten bis zur Mündung der Thüringischen Muschwitz in die Selbitz bei Blankenstein. Es umfasst naturnahe Buchen- und Bergmischwälder, ausgedehnte Schieferhalden, naturnahe Fließgewässer und artenreiches Gebirgsgrünland. Dieses europäische Vogelschutzgebiet ist ein bedeutendes Refugium für Schwarzstorch, Haselhuhn, Uhu, Schwarzspecht, Grauspecht, Rauhfußkauz, Sperlingskauz und weitere seltene Arten.

Spätestens am Kulmberg muss man sich entscheiden, ob man die Tour nach Blankenstein oder nach Bad Steben fortsetzen möchte. Südlich des ehemaligen Steinbruchs ist der Weg nach Carlsgrün ausgeschildert. Von diesem Abzweig sind es nur wenige Meter entlang des Rennsteig-Radwegs bis zu einer Info-Tafel über das Naturschutzgebiet.

Auf dem Rennsteig-Radweg gelangt man nach Schlegel und von dort entlang der Straße weiter über die "Wegespinne" und Kießling nach Blankenstein an die Ufer von Selbitz und Saale (Näheres siehe Wandertour 11). Wer vom Kulmberg nach Bad Steben fahren möchte, folgt dem Wegweiser "Carlsgrün" und durchquert im Bereich des Grünen Bandes das obere Tal der Thüringischen Muschwitz (Näheres zu diesem Tal siehe Wandertour 10).

Um nach Bad Steben zu gelangen, folgt man dem breiten Forstweg geradeaus und erreicht südlich von Schleeknock die Carlsgrüner Rodungsinsel. Von der Straße nach Carlsgrün bieten sich schöne Ausblicke auf das eben durchquerte Tal. Oberhalb von Carlsgrün erreichen wir einen Fuß- und Radweg, der uns nach links ins bayerische Staatsbad Bad Steben führt (Näheres zum Kurort siehe Wandertour 10).

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner