Auf den Spuren der Kumpel durchs Kohle-Revier

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Rundwanderung zwischen Stockheim und Neuhaus-Schierschnitz (12 km, 298 Hm)

 

Die Landschaften um das fränkische Stockheim und das thüringische Neuhaus-Schierschnitz sind sehr ähnlich. Beide Orte entstanden in breiten Wannentälern: Stockheim befindet sich im Tal der Haßlach, die oberhalb des gleichnamigen Ortes am Rennsteig entspringt, Neuhaus-Schierschnitz erstreckt sich im Quellgebiet der östlichen Föritz-Zuflüsse. Rings um beide Orte fallen die rötlichen Farbtöne in den Ackerflächen auf.

Wir befinden uns im Rotliegend-Becken am Südrand des Schiefergebirges. Der Untergrund besteht aus verfalteten Gesteinen der Unterkarbon-Zeit (vor etwa 330 Millionen Jahren). Darüber befinden sich Ablagerungen mit zwei kohleführenden Flözen aus der jüngeren Oberkarbon- und der älteren Perm-Zeit, die "nur" um die 300 Millionen Jahre alt sind. Diese Gesteinsschichten werden als "Rotliegendes" bezeichnet. Der Name leitet sich vom eisenreichen und daher rötlichen Abtragungsschutt des zuvor gebildeten Schiefergebirges ab.

In Stockheim ist das einzige, über Tage austretende Steinkohlen-Flöz Bayerns zu sehen. Der geologische Aufschluss ist seit 2008 ein geschütztes Geotop. Es befindet sich auf dem ehemaligen Zechengelände der Grube St. Katharina, die 1968 als letztes Bergwerk im Revier geschlossen wurde. Wir werden es an der Station 19 des Rundwegs besichtigen. Wer das Flöz möglichst frühzeitig bei guten Lichtverhältnissen fotografieren möchte, sollte die Rundwanderung dort beginnen. Dazu folgt man im Norden Stockheims den Hinweisschildern zum Bauhof. Wer das Geotop als Höhepunkt der Wanderung erst zum Schluss besichtigen möchte, startet  am Dorfplatz und folgt dem Bergbau-Symbol nach Süden.

Der Tod war alltäglicher Begleiter der Kumpel. Während der über 200-jährigen Bergbaugeschichte kamen an die 60 Bergleute ums Leben. An Station 3 am Sportplatz ? dem ehemaligen Maxschacht ? wird gleich an zwei spektakuläre Grubenunglücke erinnert: Im Jahr 1879 wurden hier zwölf Kumpel gerettet, die über Ostern eingeschlossen waren. 1955 kamen auf der 251-Meter-Sohle zwei Kumpel ums Leben, als ein stillgelegter verfüllter Schacht einbrach. Die Toten konnten erst nach 60 Tagen geborgen werden.


Dieses Steinkohleflöz erinnert an die einstigen Sumpfwälder vor etwa 300 Millionen Jahren.
"St. Katharina" war die letzte Stockheimer Zeche, aus der Steinkohle gefördert wurde. 1968 stellte sie Ihren Betrieb ein.

Der Rundweg führt uns von Stockheim in ein dichtes Waldgebiet. Bei der Wegkreuzung, an der eine Info-Tafel die heimische Vogelwelt vorstellt, besteht eine Abkürzungsmöglichkeit. Wer nur die Schleife auf bayerischer Seite erwandern möchte, folgt hier dem Asphaltweg nach rechts.

Links gelangen wir zur ehemaligen Grube Bernhard und nach Überqueren des Kolonnenwegs zur Grube Sophie auf thüringischer Seite. Bodenvertiefungen und Abraumhalden zeugen vom einstigen Bergbau. Einige der aufgeschütteten Halden sind heute ein wertvoller Lebensraum für Reptilien. In den Hohlräumen der Lockermassen finden Schlangen und Eidechsen Rückzugsgebiete.

Geradeaus durch den Ortsteil Buch erreicht man Neuhaus-Schierschnitz, das einst Bahnanschluss über die 1901 eröffnete eingleisige Hauptstrecke von Sonneberg nach Stockheim besaß. Sie wurde wie viele andere Bahnlinien durch die Grenzziehung unterbrochen. Für großes Aufsehen sorgte der Diebstahl von 31 Güterwaggons im Februar 1949. Dazu hatten Arbeiter eines Bautrupps aus der russischen Besatzungszone das unterbrochene Gleis nach Burggrub in Bayern repariert, mit einer Lok die dort abgestellten Waggons in die russische Zone gezogen und  danach die Schienenverbindung an der Grenze sofort wieder zerstört. In Neuhaus-Schierschnitz erinnern eine Bahnbrücke, Reste des Bahndamms und der privat genutzte Bahnhof an die ehemalige Strecke.

Der bergbauhistorische Rundweg führt über den Schlossberg. Das Schloss war bis 1828 Sitz des Amtes Neuhaus. Danach war hier die Verwaltung und die Unterkunft für die Steiger der Grube Bernhard. Zur DDR-Zeit befand sich hier eine Kinderkrippe, heute ist es ein Mutter-Kind-Kurheim.

Das bayerische Stockheim liegt von Neuhaus-Schierschnitz aus gesehen im Osten. Der Rückweg verläuft auf der Minna-Straße, die zum ehemaligen Zechengelände der Grube "Minna" führt. Am Grünen Band oberhalb des Bergwerksgeländes erinnern neben dem Kolonnenweg alte Grenzsteine daran, dass hier einst das Herzogtum Sachsen-Meiningen an das Königreich Bayern grenzte.

Für den weiteren Rückweg bieten sich zwei Varianten an: Vor der ehemaligen Grube "Minna" zweigt links eine drei Kilometer lange Route ab, die über die Gessendorfer Quelle und den Kesslerstollen zum ehemaligen Gut Traindorf (Info-Tafel) führt. Auf der kürzeren Route oberhalb der Grube erreicht man das vormalige Gutshof-Gelände bereits nach einem Kilometer. Das im Jahre 1151 erstmals erwähnte Traindorf erlebte eine wechselvolle Geschichte mit mehreren Feuersbrünsten. 1976 wurde das letzte Gebäude abgerissen.

In südlicher Richtung gelangen wir nach 1500 Metern in die Nähe jener Kreuzung, an der die Asphaltstraße nach Stockheim führt. Wer in Neuhaus-Schierschnitz gestartet ist und nur die westliche Schleife erwandern möchte, kann hier nach rechts abkürzen.

Unterhalb der Grube St. Katharina mit dem Geotop führt uns der Lehrpfad in einer Schleife noch einmal in den Wald zum "Dachsbau" (Station 23). Hier entdeckte 1756 der Oberförster Christoph Friedrich Gundermann aus dem thüringischen Steinach die Stockheimer Steinkohle. Noch weiter reicht der Bergbau im Nachbarort Reitsch zurück, wo bereits 1582 die Grube "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" bestand.

Die letzte Station ist das Stockheimer Schloss. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde es als Herrschaftssitz derer von Haßlach zu Stockheim errichtet. In den Kellergewölben nahm im 19. Jahrhundert die erste Stockheimer Glashütte den Betrieb auf. An der Kirche, die 1934 an die alte St.Wolfgangs-Kapelle angebaut wurde, schließt sich unserer Kreis durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner