Erloschene Vulkane im wildromantischen Höllental

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Rundwanderung zwischen Bad Steben, Blankenstein und Hölle (18,5 km, 393 Hm)

 

Die Landschaft hängt vom geologischen Untergrund ab. Dies zeigt sich im Raum Bad Steben, denn hier kommen im Schiefergebirge neben Meeresablagerungen viele Vulkangesteinsmassive vor. Das Diabasgestein - ein Basalt aus dem Erdaltertum - begünstigt eine spezielle Flora und wirkt sich damit auch auf die Fauna aus. Dies wird besonders im Naturschutzgebiet Höllental deutlich, das im Biotopverbund mit dem Grünen Band am nördlichen Talausgang ein Natura-2000-Gebiet der Europäischen Union ist.

In einer flachen Talmulde unweit der Wasserscheide zwischen Rhein und Elbe liegt Bad Steben - mit 600 Metern über dem Meeresspiegel das höchstgelegene bayerische Staatsbad. Vom Bahnhof sind es 300 Meter entlang der Bahnhofstraße zum Rathaus, an dem der geologisch-bergbaukundliche Lehrpfad mit dem Bergbau-Symbol beginnt. Er führt durch die Hauptstraße in die Badstraße zum Alexander-von-Humboldt-Haus. Der berühmte Naturforscher wohnte hier von 1792 bis 1795. Als junger preußischer Bergbeamter verhalf er dem hiesigen Bergbau und Hüttenwesen zu einem Aufschwung.

Am Ende der Badstraße erreichen wir das Kurzentrum. Der Bergbau-Lehrpfad führt zwischen der Säulenwandelhalle und dem Kurhaus in den Kurpark. Zuvor lohnt sich ein Besuch der Mineralquellen - in der Trinkhalle an Ende der Säulenwandelhalle oder am Schieferbrunnenhaus am Eingang des Kurparks. Im Jahr 1832 hatte das Königreich Bayern die Heilquellen gekauft und daraufhin das Staatsbad gegründet. Die Wiesenquelle enthält viele Mineralstoffe und Kohlensäure, die Tempelquelle Radon.


Die Braune Mosaikjungfer gehört mit Flügelspannweiten bis zu 10,5 cm zu den größten mitteleuropäischen Libellenarten.
Das wildromantische Höllental verdankt eine Sage nach seinen Namen einer schaurigen Begegnung zwischen dem Teufel und einem Köhler, den sich der Teufel holen wollte. Der Köhler aber wusste sich zu helfen, indem er drei Kreuze schlug und Jesus, Maria und Josef anrief. Daraufhin stampfte der Teufel rasend vor Wut auf den Boden, so dass sich eine Schlucht auftat, in die der Teufel inmitten von aufwirbelnden Felsbrocken unter lautem Getöse, Nebel und Schwefelgestank verschwand. Der Name "Höllental" war geboren.

Über den mittleren Kurpark folgen wir den Bergbau-Zeichen in den äußeren Kurpark. Dort ist im Januar 2007 ein Großteil des alten Baumbestandes dem Orkan "Kyrill" zum Opfer gefallen. Auf den Lichtungen entwickelt sich seitdem ein natürlicher Aufwuchs mit einer artenreichen Flora und Fauna.

An der "Schönen Aussicht" am Ende des Kurparks wird der Blick frei auf das Tal der Thüringischen Muschwitz, die im benachbarten Freistaat "Moschwitz" genannt wird. Wir überqueren die Staatsstraße und folgen der Markierung, vorbei an der "Mordlau" hinab ins alte Zechengelände. Bei der Skisprungschanze befindet sich der höchstgelegene Weinberg Frankens.

Einen Kilometer weiter erreichen wir das Grüne Band entlang der Muschwitz, das wir zunächst auf bayerischer Seite erkunden. Dazu folgen wir nun dem "US 34", der uns an einer Reihe von Teichen vorbeiführt. Das neun Kilometer lange Tal bildet einen wertvollen Biotopverbund von Feuchtlebensräumen. Die Thüringische Muschwitz verbindet moorige Quellsümpfe mit nassen Sumpfwiesen und natürlichen Feuchtwäldern - ein idealer Lebensraum für die Braune Mosaikjungfer und andere seltene Libellenarten. Im klaren, kühlen, sauerstoffreichen Gebirgsbach leben Bachneunauge, Flusskrebs und weitere seltene Tierarten.

Wir folgen dem "US 34" bis zur Info-Tafel über das Grüne Band an der Straßenbrücke, überqueren diese und wandern nun auf thüringischer Seite entlang des blauen "R" weiter talabwärts. Nach eineinhalb Kilometern zeugt ein aufgelassener Stollen vom einstigen Erzbergbau. Hier befinden wir uns geologisch in einem tiefen Stockwerk des Schiefergebirges. Aus dem Ordovizium - der Zeit vor 440 bis 480 Millionen Jahren - stammen der graue Phycodenschiefer und der bankige Hauptquarzit, der einige hundert Meter weiter in einem Steinbruch zu sehen ist.

Am Ende des "blauen Rennsteigs" treffen wir auf die Brücke der Höllentalbahn, die 1945 durch die Grenzziehung unterbrochen wurde. Wer das Rennsteig-Denkmal am Bahnhof Blankenstein, den Wander-Stützpunkt und den Rennsteig-Beginn an der Selbitzbrücke besuchen möchte, folgt der Bahntrasse nach links in die Bayerische Straße.

Über die Bahnbrücke erreichen wir Blechschmidtenhammer. Im ehemaligen Bahnhof befindet sich ein Info-Zentrum des Naturparks Frankenwald. Dort rollen von April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr die Züge auf einer originalgetreuen Modellanlage der Höllentalbahn. 200 Meter weiter lädt das Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen zu einem Ausflug in die Arbeitswelt der früheren Bergleute ein (Führungen von April bis Oktober samstags, sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr).

Geradeaus gelangen wir ins wildromantische Höllental. So heißt der dreieinhalb Kilometer lange Abschnitt des Selbitztals zwischen Hölle und Blechschmidtenhammer. Im Laufe von Jahrmillionen hat sich die Selbitz tief ins Diabas-Gestein eingesägt und dabei eine bis zu 170 Meter tiefe Schlucht geschaffen. Flechten, Moose und Farne sind die typischen Pflanzengesellschaften auf dem Vulkangestein.

Im 160 Hektar großen Naturschutzgebiet erleben Wanderer viele naturnahe Waldtypen. Auf der östlichen Talseite, im Bereich der lichtdurchfluteten Abschnitte, gedeihen wärmeliebende Arten, wie die seltene Pfingstnelke. Zoologische Kartierungen belegen den Artenreichtum der Tag- und Nachtfalter. Die natürlich entstandenen Schotterhalden sind Lebensraum für Schlingnattern. Im Höllental brüten seltene Vogelarten, wie Kleinspecht, Grauspecht und Wasseramsel.

Um nach Hölle zu gelangen, bietet der Frankenweg zwei Varianten: bequem auf dem Talweg oder rechts davon über einige hundert Stufen auf dem Felsenpfad. Der südliche Abschnitt des Felsenpfads ist Teil eines geologisch-bergbaukundlichen Erlebnisweges, der zu großen Diabas-Säulen eines ehemaligen Vulkanschlotes und zu anderen vulkanischen Relikten führt.

In Hölle lädt in der frostfreien Jahreszeit das Brunnenhaus des Höllensprudels zu einer kostenlosen Erfrischung ein. Über den Bergknappenweg mit der blauen "51" schließt sich der Kreis der Rundwanderung im Stebenbachtal. Die Brachflächen in den Rodungsinseln rings um Bad Steben sind Rückzugs- und Brutgebiete für seltene Vogelarten, wie das Braunkehlchen. Im Rahmen des Projekts "Biotopverbund mit Kirchengrund" ist dem Bund Naturschutz hier eine Vernetzung mit dem Grünen Band gelungen.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner