Altes Grenzland im Herzen Europas

Historische Grenz- und Wappensteine wie am Schönwappenweg weisen darauf hin, dass die ehemalige innerdeutsche Grenze bereits seit vielen Jahrhunderten Herrschaftsgebiete markiert.
Historische Grenz- und Wappensteine wie hier am Schönwappenweg weisen darauf hin, dass die ehemalige innerdeutsche Grenze bereits seit vielen Jahrhunderten Herrschaftsgebiete markiert.

Annähernd bis Tschechien reicht der thüringisch-fränkische Abschnitt des Grünen Bandes zwischen Mitwitz und Mödlareuth. Mitwitz gilt vielen als Geburtsort des Gedankens, das Grüne Band als Nationales Naturerbe zu schützen. Das einst geteilte Dorf Mödlareuth wiederum, auch "Little Berlin" genannt, zeigt noch heute fast so gut wie sein großer Bruder, welche politischen und persönlichen Auswirkungen die deutsch-deutsche Grenze mit sich brachte. Der Rennsteig und die Saale bilden Grenzlinien in einem Gebiet, das weit bis ins 19. Jh. territorial zersplittert war. Historische Grenzsteine zeugen noch heute davon, jüngere Grenztürme und Mauerreste wiederum von der überwundenen deutschen Teilung des 20. Jh..

 

Historische Grenzen und steingewordene Geschichte
Die Gebiete an der fränkisch-thüringischen Grenze waren jahrhundertelang territorial zersplittert. Das fürstbischöflich regierte Gebiet des Hochstifts Bamberg fiel 1803, das Markgrafentum Bayreuth 1810 an das Königreich Bayern. Auf thüringischer Seite bestanden unter anderem das Herzogtum Sachsen-Meiningen und das Fürstentum Reuß Jüngerer Linie (später Volksstaat Reuß) weiter bis zur Gründung Thüringens im Jahre 1920.

Stumme Zeugen der früheren Herrschaftsgebiete sind die zahlreichen historischen Grenzsteine. Einige sind schlicht naturbelassen wie der Dreiherrenstein im Rodachtal bei Nordhalben, andere kunstvoll gestaltet wie der Kurfürstenstein aus dem Jahre 1513 am Rennsteig südlich von Lehesten.

Geteilt und doch zusammengehörig

Die Grenze zwischen Thüringen und Franken war niemals trennscharf. Teile des Thüringer Waldes sind fränkisch geprägt, im Norden des Frankenwaldes wiederum sind die Bindungen nach Thüringen traditionell überaus stark. Noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen gab es für einige Jahre einen regen kleinen Grenzverkehr, in dem Waren über die Grenze gehandelt wurden, aber auch beispielsweise fränkische Arbeitskräfte im Thüringer Schieferbergbau tätig waren. Mit dem Bau von Mauern und Zäunen wurden wirtschaftliche Verbindungen ebenso gekappt wie familiäre - bis 1989 der Eiserne Vorhang fiel.

Natürliche Wetter- und Sprachgrenze
Eine natürliche Grenze immerhin zieht sich damals wie heute quer durch die Region: der Mittelgebirgskamm, auf dem der berühmte Rennsteig verläuft. Der 169 Kilometer lange Kammweg verbindet traditionell den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge, den Frankenwald und die Saale in West-Ost-Richtung. Der Mittelgebirgskamm ist eine Wetter- und Wasserscheide sowie eine Sprachgrenze. Die alteingesessenen Bewohner sprechen im Norden thüringische und im Süden fränkische Mundarten.