Flusslandschaft Elbe

Kaum ein anderer Strom in Mitteleuropa fließt noch so frei wie die Elbe und ändert sein Gesicht im Lauf des Jahres so deutlich:

Im späten Winter steigt das Wasser und die Aue entwickelt sich zu einer eindrucksvollen Seenlandschaft: Wälder stehen mitten im Wasser. Eisschollen treiben auf dem Fluss und werden knirschend ans Ufer gespült.
Die Luft ist erfüllt von den Rufen tausender Wildgänse, Schwäne und Enten. Es ist die Zeit des Vogelzuges: Die Wintergäste ziehen gen Norden, verabschieden sich mit eindrucksvollen Formationen am Himmel bis zum Wiedersehen im Herbst.

Wenn es Frühling wird geht das Wasser zurück. Wiesen und Weiden werden sichtbar, und mit dem Frühling kommt die Farbe: In den Auenwiesen blühen Wiesenschaumkraut, Gelbe Wiesenraute und Sumpf-Platterbse.
Nach und nach belebt sich die Aue: Frösche und Kröten versammeln sich in den zahlreichen Kleingewässern und stimmen ein beeindruckendes Konzert an. Die Störche kehren heim und beziehen ihre Horste auf den Scheunendächern. Uferschnepfe, Austernfischer und Bekassine lassen sich auf der Suche nach einem geeigneten Brutplatz beobachten.

Sommer an der Elbe: Das Wasser sinkt weiter und gibt die Ufer frei. Was hier zutage tritt, freut Mensch und Tier gleichermaßen: Sandstrand, feinkörnig und weiß. Sand, der auffordert, barfuß zu laufen und Spuren zu suchen: Spuren der Graugansfamilie, die hier übernachtet hat. Wer Glück hat, findet die markante Spur eines Elbebibers auf seinem Weg ins Wasser.
Die Luft über dem Fluss flirrt in der Hitze. Schafe und Rinder sammeln sich im Schatten der mächtigen Eichen. Eine Storchenfamilie kreist über der Aue, probt bereits für die große Reise in den Süden.

Mit dem Herbst kommen die Nebel über die Elbtalaue. Alles scheint still zu stehen. Die Störche haben ihr Brutgeschäft längst beendet und sich in den warmen Süden aufgemacht.
Doch sie dauert nicht lange, die Stille. Plötzlich sind sie da: Die ersten Wintergäste kehren aus den nördlichen Brutgebieten zurück. Sie machen Rast auf ihrem weiten Weg in den Süden oder werden die Wintermonate an der Elbe verbringen. Dann sind die Nächte erfüllt vom lauten Trompeten der Kraniche und den klangvollen Rufen der Singschwäne.

 

Die Elbtalauen sind nicht nur eine einzigartig schöne Landschaft. Sie sind auch eine einzigartig wertvolle Landschaft, denn sie beherbergen über Hunderte von Kilometern noch typische Lebensräume, Tiere und Pflanzen.

Dem Biber auf der Spur
Ursprünglich war die Elbtalaue Waldland: Soweit sich die Überschwemmungen ausdehnten, soweit reichte auch der Auwald. Auwälder sind die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas: Eine Vielzahl von Insekten bietet die Nahrungsgrundlage für mehr als 40 Singvogelarten. Sie sind die Kinderstube der Fische und der Elbebiber nutzt die Weichhölzer als Nahrung und Baumaterial; Schwarzstörche und Kraniche brüten in den feuchten Wäldern. Die meisten Auwälder mussten in den letzten Jahrhunderten dem Menschen wichen. Nur wenige Auwaldreste in Mitteleuropa blieben an der Mittleren Elbe erhalten.

Wie ein Fisch im Wasser
Der Tiefpunkt des Fischlebens in der Elbe liegt zum Glück Jahre zurück: Bis 1990 hatten Unmengen von Industrieabwässern die Elbe in eine stinkende Brühe verwandelt. Seitdem hat die Wasserqualität der durch Kläranlagen einen von vielen nicht für möglich gehaltenen Qualitätssprung gemacht. Heute leben etwa vierzig Fischarten in der mittleren Elbe, sie bilden die wichtigste Nahrungsgrundlage für Arten wie den Fischotter, See- und Fischadler.

Tischlein deck' Dich für den Adebar
Was wäre die Flusslandschaft Elbe ohne die Kleingewässer und Tümpel in den weiten Überschwemmungsflächen? Zwölf verschiedene Amphibienarten haben ihre Heimat an der Elbe und finden hier eine Vielzahl an optimalen Laichgewässern.
Vom reich gedeckten Tisch der Feuchtwiesen leben Bekassine, Reiher und natürlich Meister Adebar. Knapp 500 Weißstorchpaare brüten in der Elbtalaue, fast 40 sind es allein in Rühstädt, dem Europäischen Storchendorf. Damit bildet die Elbtalaue die wichtigste Verbreitungsachse für Meister Adebar in Deutschland.

Das große Schnattern
In der kalten Jahreszeit sind die weiten Elbauen ein bedeutender Rastplatz für Wat- und Wasservögel. Sie kommen aus dem hohen Norden Skandinaviens und Russlands und ziehen weiter gen Süden. Riesige Trupps von Bläss- und Saatgänsen, Enten, Säger, Singe- und Zwergschwäne lassen sich hier beobachten. Die ungestörten Feuchtgebiete bieten den Vögeln Nahrung und Platz, sich zu erholen und wichtige Fettreserven für den weiteren Flug anzulegen. Auch für die Kraniche liegt die Elbtalaue ideal zwischen ihren herbstlichen Sammelplätzen an der Ostseeküste und ihrem Überwinterungsgebiet auf der Iberischen Halbinsel.