Auf Grenzersteigen durch dreier Herren Länder

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Rundwanderung zwischen Nordhalben und Titschendorf
(5,5 km, 207 Hm)

 

Zwischen den Höhenrücken, auf denen Nordhalben und Titschendorf liegen, bilden die tief eingeschnittene Täler der Fränkischen Muschwitz, der Rodach und des Titschengrundbaches die Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Das Grüne Band ist hier abschnittsweise über 300 Meter breit, weil die DDR-Grenztruppen den Kolonnenweg im steilen Gelände nicht überall entlang der Grenzbäche, sondern teilweise am Rand der Titschendorfer Rodungsinsel angelegt hatten.

Von der Klöppelschule Nordhalben sind es nur 50 Meter bergab bis zum Dreiherrenweg, dem wir nach links folgen. Der Rundweg führt durch dichte Fichtenwälder hinab zur Staatsstraße und auf der gegenüberliegenden Seite (50 Meter weiter links) hinauf ins Tal des Titschengrundbaches.

400 Meter nach der Straßenüberquerung ist der Abzweig für die kürzere Rundwanderung: Wer sich hier rechts hält, gelangt auf den "Nordhalbener Grenzweg". Dieser Themenweg verläuft auf fränkischer und auf thüringischer Seite entlang der ehemaligen "Grenzersteige", also auf den Wegen der Grenzüberwacher aus Ost und West. Historische Grenzsteine - die zur DDR-Zeit gesetzten Blöcke sowie einige sehr viel ältere Steine - markieren die fränkisch-thüringische Grenze, deren Verlauf im idyllischen Waldtal des Titschengrundbaches sonst kaum erkennbar ist. Beginnend mit Info-Tafeln zu typischen Pflanzen eines naturnahen Waldes in einem neuen Lehrgarten im Jahre 2009 wird der Themenweg in den folgenden Jahren um weitere Sehenswürdigkeiten bereichert werden.

Wer sich an der Wegeverzweigung geradeaus weiter an den  "RT 32" hält, überquert den Bach einen Kilometer weiter nördlich. Der Titschengrundbach ist ein weitgehend unverbautes, naturnahes Fließgewässer. Hier lebt zum Beispiel noch die Zweigestreifte Quelljungfer, eine gefährdete Libellenart, die typisch für naturnahe Bäche ist. In der relativ schmalen Bachaue befinden sich an einigen Stellen Feuchtwiesenbrachen und Hochstaudenfluren, in denen seltene Tagfalterarten wie der Mädesüß-Perlmuttfalter oder der Dukatenfalter vorkommen. Naturschützer bemühen sich darum, diese wertvollen Offenland-Lebensräume zu erhalten und in der Bachaue die standortfremden Fichtenbestände in natürliche Erlen- und Eschenwälder umzuwandeln.

Am Waldrand 100 Meter westlich von Titschendorf treffen wir auf den Kolonnenweg, der unseren Wanderweg kreuzt. Hier lohnt sich ein Abstecher nach rechts, zirka 500 Meter auf dem oberen Betonplattenweg bis zu einer Lichtung mit einem guten Ausblick auf Nordhalben.


Massiver Grenzblock der DDR
Zweigestreifte Quelljungfer: Die seltene und gefährdete Libellenart ist in den Feuchtgebieten entlang der fränkisch-thüringischen Grenze noch relativ weit verbreitet.

In Titschendorf folgt man dem Dreiherrenweg nach rechts. Der Asphaltweg am südlichen Ortsausgang geht erst in einen Feldweg und bald darauf in einen Betonplattenweg über. Nach links - im Osten - besteht ein schöner Ausblick über das Rodachtal ins Tal der Fränkischen Muschwitz. Der "Echobaum" markiert eine besondere Stelle in der freien Natur, an der Wanderer ein siebenfaches Echo erleben können.

Der Rundweg führt uns nun hinab zur Schnappenmühle ins Rodachtal. Dort erinnert der große, unscheinbare "Dreiherrenstein" daran, dass hier einst ein "Dreiländereck" zwischen drei Herrschaftsgebieten war: zwischen dem fürstbischöflich regierten Hochstift Bamberg im Süden, dem markgräflichen Fürstentum Bayreuth im Osten und dem Fürstentum Reuß (jüngere Linie) im Norden.

Über den östlichen Hang des Schlossberges erreichen wir wieder Nordhalben. Wer noch einen weiteren schönen Aussichtspunkt genießen möchte, hält sich am Ortsanfang von Nordhalben - wo der Dreiherrenweg nach rechts führt - geradeaus und gelangt zum Gipfel des Schlossberges. Hier stand einst eine Burg, die im Jahre 1154 erstmals erwähnt und während des Bauernkrieges im Jahre 1525 zerstört wurde.

Am überdachten Rastplatz in Form eines Pilzes - dem "Schwamma" - können Wanderer das Panorama des zuvor durchwanderten Talkessels erleben. Mit ihrer roten Fassade dominiert die evangelische Jubilate-Kirche das Bild im Nordhalbener Ortsteil Grund. Ein kurzer Abschnitt des Kirchsteigs "RT 35" führt uns in Nordhalben zurück zum Dreiherrenweg "RT 32".

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner