Glas- und Porzellan-Tradition am Rennsteig

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Rundwanderung zwischen der Kalten Küche, Kleintettau, Tettau und Spechtsbrunn (13 km, 320 Hm)

 

Der Flurname "Kalte Küche" bei Spechtsbrunn steht für Kapelle ("Kuche") an der Grenze ("Calde"). Vor der Reformationszeit stand eine Wegekapelle an der Kreuzung zweier historischer Wege. Hier kreuzen sich die bereits im 9. Jahrhundert erwähnte Alte Heer- und Handelsstraße zwischen Nürnberg und Leipzig und der im 14. Jahrhundert erstmals genannte Rennsteig. Heute befindet sich an der "Kalten Küche" ein Informationszentrum der Naturparke Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und Frankenwald.

Von der "Kalten Küche" folgen wir dem "R 91" zur Schleifenwiese, an der man den Blick über das Grüne Band schweifen lassen kann. Der hier über 100 Meter breite Offenland-Streifen ist reich strukturiert. Hier wechseln sich Bergwiesen mit Feuchtwiesen, Niedermoorbereichen und Zwergstrauchheideflächen ab.

Wir folgen dem "R 91" durch den nördlichen Kuhwald und erreichen das Grüne Band in einem ungewöhnlichen Verlauf: Thüringen ragt in Form eines spitzen Winkels fast einen Kilometer weit nach Süden und ist in diesem Bereich an drei Seiten von fränkischen Gebieten umgeben. Auf den Wiesen beiderseits der Landesgrenze sieht man das ganze Jahr über Schottische Hochlandrinder, die sich in der Rennsteigregion sichtlich wohl fühlen. Die zotteligen Tiere weiden auf den blumenreichen Wiesen und leisten damit einen Beitrag zur natürlichen Landschaftspflege. Eine Interessensgemeinschaft hatte 1980 in Kleintettau mit der Haltung dieser Nutztierrasse begonnen. Ein Jahr später importierte man weitere hochwertige Tiere und begann mit der Rinderzucht.

Entlang des "R 91" wandern wir ins Tal der Kleinen Tettau. Quellflure und ein Großseggenried mit einem Niedermoor umgeben den Gebirgsbach. Typisch für die hiesigen Feuchtwiesen sind die Sumpfschrecke und der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter. Auf den trockneren Extensiv-Wiesen an den Hängen wachsen Bärwurz, Verschiedenblättrige Kratzdistel, Perücken-Flockenblume und das Geöhrte Habichtskraut. Dort kann man seltene Tagfalterarten beobachten, wie Baumweißling, Großer Perlmuttfalter und das Rostbraune Wiesenvögelchen.

Am Ortseingang von Kleintettau folgen wir dem "R 94" zum Glashüttenplatz. Hier inmitten der waldreichen Umgebung hatte Hanß Heintz im Jahre 1661 eine Glashütte gegründet. Damit etablierte er einen bis heute florierenden Wirtschaftszweig.


Seit Anfang der 80er Jahre im Frankenwald heimisch: Schottische Hochlandrinder
Spechtsbrunn ist einer der ältesten Orte der Rennsteigregion. Der Schiefer auf den Dächern und an den Fassaden prägt das Dorfbild.

Am Glashüttenplatz folgen wir der Bergstraße und dem westlichen Ast der Glasmacher-Heinz-Straße nach Norden und erreichen am Ortsrand wieder den Glashütten-Weg "R 91", der uns durch das Forstgebiet nach Tettau führt. Entlang der Hauptstraße gelangt man ins Ortszentrum.

Der berühmte Naturforscher und zeitweilige Bergbeamte Alexander von Humboldt unterstützte hier im Jahre 1794 die Gründung der "Königlich privilegierten Porzellanfabrik Tettau", die seit 1957 zur Firmengruppe Seltmann Weiden gehört. Die Porzellanmanufaktur lädt zum Werksverkauf ein (Infos unter Telefon 09269-98020).

Am Marktplatz folgen wir der Wildbergstraße, auf der man nach 900 Metern den Kolonnenweg erreicht. Wir wandern nun rechts auf dem Betonplattenweg entlang der Zeichen "Grünes Band" weiter. Westlich von Tettau gelangt man ins Naturschutzgebiet "Pfmersgrund", das sich aus dem gleichnamigen Tal bei Hasenthal bis ans Grüne Band erstreckt. Im Bereich der Zwergstrauchheiden sind auf den Büschen Neuntöter zu beobachten, die Ausschau nach Beute halten.

Auf dem Kolonnenweg gelangt man zu einem Gedenkstein, der Fritz Zapf gewidmet ist. Hier endete am Abend des 7. Juli 1964 der Fluchtversuch des 42-Jährigen aus Lichte im Kugelhagel der DDR-Grenzsoldaten. Der Schwerstverletzte wurde ins Krankenhaus Gräfenthal gebracht, wo er nach kurzer Zeit starb.

In der Nähe des Gedenksteins befindet sich das Naturschutzgebiet "Strasswiesen". Das Grüne Band verläuft hier durch ein kleinteiliges Mosaik aus Kreuzblümchen-Borstgrasrasen, Bärwurz-Storchschnabelwiesen, Quellgebieten mit umgebenden Waldsimsenrieden und Mädesüß-Hochstaudenfluren. Hier lassen sich seltene Tagfalter der Roten Liste beobachten, wie Baumweißling, Dukatenfalter oder Wachtelweizen-Scheckenfalter. Der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat hier mit eigenen Mitteln sowie mit Unterstützung der Stiftung Naturschutz Thüringen Flächen gekauft. 2007 fanden im Bereich der "Strasswiesen" Entbuschungsarbeiten statt. Dabei wurden vor allem junge Fichten beseitigt, um die Flächen offen zu halten. Mit einer regelmäßigen Mahd will der BUND die Artenvielfalt erhalten.

Das Wegezeichen "Grünes Band" führt auf eine Anhöhe, die einen schönen Ausblick auf Spechtsbrunn bietet. Von 1912 bis 1990 produzierte man auch hier Porzellan. Die Matthäuskirche entstand 1746 im Stil des Thüringer Bauernbarocks mit Holzschnitzereien und farbenprächtigen Bemalungen. Herzog Georg II. lobte sie fortan als "schönste Dorfkirche seines Sachsen-Meiningen Landes". Das Gotteshaus wurde nach der Grenzöffnung renoviert und ist einen Besuch wert. Am nordöstlichen Ende der Sonneberger Straße erreichen wir den Rennsteig, dem wir links der Gräfenthaler Straße zurück zur "Kalten Küche" folgen.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner