Die Natur schützen und die Landschaft pflegen

Der seltene Lebensraumtyp der Zwergstrauchheide wird allmählich durch Bäume verdrängt, wenn keine Pflegemaßnahmen stattfinden (Foto: Helmut Schlumprecht).
Im Grünen Band "Sattelgrund" wurden Fichtenbestände entfernt, um zusammenhängende Grünlandflächen zu schaffen, die extensiv beweidet werden (Foto: Stefan Beyer).
An der Fränkischen Muschwitz wird durch Entfernen von Fichten ein natürlicher Ufergehölzsaum aus Erlen, Weiden und Eschen gefördert (Foto: Stefan Beyer).

Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs im Herbst 1989 haben DDR-Soldaten die Flächen der Grenzanlagen in unregelmäßigen Abständen entbuscht und freigehalten, um das Gelände besser einsehen zu können. So konnten sich unterschiedliche Stadien von Offenland-Lebensräumen bilden, wie Heideflächen, Altgrasbrachen und halboffene Gebüschflächen.

In der waldreichen Region des Thüringer Waldes, des Thüringer Schiefergebirges und des Frankenwaldes ist das Grüne Band nur in wenigen Bereichen durch eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bedroht. Vielerorts ist jedoch der Fortbestand der Artenvielfalt gefährdet, weil in den bisherigen Offenlandstandorten Pionierbäume wachsen, vor allem Birken und Fichten. Dies schränkt nicht nur die Wahrnehmbarkeit des Grünen Bandes stark ein, sondern führt auch zu einer akuten Bedrohung seltener Tier- und Pflanzenarten. Somit ist zum Beispiel der Fortbestand der Zwergstrauchheiden gefährdet, in denen unter anderem die Heidelerche lebt. 

Um die Artenvielfalt zu erhalten und das Grüne Band für Touristen erlebbar zu machen, finden in der Modellregion Landschaftspflegemaßnahmen entlang der fränkisch-thüringischen Grenze statt. Dabei arbeiten Naturschützer mit Fachleuten der Forstverwaltungen, der Naturparke und der Tourismus-Verbände eng zusammen.

Nach eingehender Erfassung der im jeweiligen Gebiet lebenden Tier- und Pflanzenarten finden jeweils spezielle Landschaftspflegemaßnahmen statt. Dazu gehören unter anderem:

  • Die Erhaltung oder die Wiederherstellung von Berg- und Feuchtwiesen durch Mahd oder extensive Beweidung
  • Die Umgestaltung von Fichtenwäldern entlang der Bäche zu naturnahen Erlen-Eschen-Gehölzsäumen
  • Die Erhaltung oder die Wiederherstellung von Zwergstrauchheiden und Felsfluren


Seit Herbst 2007 finden in der Modellregion derartige Landschaftspflegemaßnahmen auf jenen Grundstücken statt, die von der Bundesrepublik Deutschland auf den Freistaat Thüringen übertragen worden sind, außerdem auf privaten Grundstücken, die von den jeweiligen Eigentümern kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sowie auf den Flächen, die von den Naturschutzverbänden erworben worden sind.

Das Mahdgut aus der Landschaftspflege soll möglichst im landwirtschaftlichen Betrieb direkt genutzt oder als Bergwiesenheu vermarktet werden. In einigen Abschnitten der Modellregion hat sich die Beweidung mit Rindern, Schafen oder Ziegen bestens bewährt. "Weidefleisch aus art- und naturschutzgerechter Haltung" wird bereits in einigen Metzgereien, Hotels und Gaststätten der Region vermarktet.

Um die Zwergstrauchheiden zu erhalten, ist neben der Beweidung eine verstärkte energetische Holznutzung geplant - über Hackschnitzel oder Scheitholz. Dabei strebt man ein großräumiges Mosaik aus jungen Heideflächen, verbuschten Heideflächen und Pionierwäldern an. Nach der Rodung sollen jeweils wieder Heideflächen entstehen.