Auf den Spuren des Blauen Goldes

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Rundwanderung zwischen Ludwigsstadt und Lehesten
(16 km, 451 Hm)

 

Die "Steinerne Heide" - der Höhenrücken nördlich des Rennsteigs zwischen dem Loquitz- und dem Sormitztal - war das Zentrum der Schiefergewinnung im fränkisch-thüringischen Mittelgebirgsraum. Das gesamte Bergbaurevier beiderseits der Landesgrenze reicht von Steinach bei Sonneberg im Westen bis Untertiefengrün bei Berg im Osten. In Lehesten ist der Schieferabbau seit dem 15. Jahrhundert belegt. Die Blütezeit des Lehestener Schieferbergbaus war das 19. Jahrhundert, als sich das Naturgestein für die Unternehmer als "Blaues Gold" erwies.

Während in Lehesten große Mengen Dach- und Wandschiefer produziert wurden, lebte man im Raum Ludwigsstadt von einem Spezialprodukt: Bis 1970 wurden Schiefertafeln für den weltweiten Export gefertigt, bis 1989 entstanden noch einzelne Exemplare als Sonderanfertigungen für nostalgische Zwecke.

In Ludwigsstadt folgen wir den Bergbau-Symbolen in der Lehestener Straße bis ins benachbarte Ottendorf. Kurz vor dem Dorfende halten wir uns rechts und gelangen über die Ottendorfer Straße an den Nordhang des Winterberges. Östlich der beiden Diabas-Steinbrüche erreichen wir das Grüne Band entlang eines großteiligen Mosaiks aus extensiv bewirtschafteten Wiesen und Waldflächen. Die ökologische Bedeutung liegt hier vor allem in der Vernetzung dieser Lebensräume mit einem Naturschutzgebiet und einem Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet im Bereich der ehemaligen Lehestener Schiefergruben.

Wir überqueren die Landesgrenze auf dem Loquitzviadukt - der wahrscheinlich weltweit einzigen Brücke aus Schiefer. Sie gehörte zur Bahnstrecke von Ludwigsstadt nach Lehesten, die 1885 wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Schiefers als erste Lokalbahn der Region eröffnet wurde. Nach dem Krieg fuhren "Transit-Züge" von Probstzella über Ludwigsstadt nach Lehesten, bis die DDR den Bahnverkehr am 12. Juli 1951 einstellte.


Ein Museum zum Anfassen: Die Welt lernte einst auf Schultafeln aus Ludwigsstadt das Schreiben.
Ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert: Der Göpel - eine Schachtförderanlage, in der man den Schiefer nach oben transportierte.

Südlich von Lehesten erreichen wir das Gelände des Museums-Komplexes "Technisches Denkmal Historischer Schieferbergbau Lehesten". Hier wurde das Blaue Gold einst über und unter Tage abgebaut. Im Tagebau endete die Schiefergewinnung 1973. Im Bergwerk wurde der Abbau dagegen erst 1999 eingestellt. Die folgende Ära als Besucherbergwerk endete aus Kostengründen bereits nach zwei Jahren. Mit der Abschaltung der Wasserpumpen im Jahr 2006 begann die Flutung des Tagebaus. Im Laufe mehrerer Jahre entstand ein über zehn Hektar großer See. Dies führte zum Verlust alter und zur Entstehung neuer Lebensräume.

Bereits seit 2001 steht das 90 Hektar große Gebiet unter Naturschutz. Auf engstem Raum gibt es hier zwei kleinklimatische Extreme: In den Sommermonaten erwärmt die Sonne das dunkle Schiefergestein der Halden auf über 60 Grad Celsius. In den schattigen Senken bleibt es dagegen kühl und feucht. Insgesamt wurden hier 1100 verschiedene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen, davon 170 Arten der Roten Liste. Zur Flora des Naturschutzgebietes gehören unter anderem Bartflechte, Eisenflechte, Lanzen-Schildfarn, Orchideen und Mykorrhiza-Pilze, zur Fauna Uhu, Schwarzspecht, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Kreuzotter und Schlingnatter.

Auf dem Schieferpfad erreichen wir Lehesten (siehe dazu Tour 7). Für den Rückweg nach Ludwigsstadt gehen wir zur Dachdeckerschule. Dort folgen wir dem Weg, der nach Nordwesten durch eine kleine Allee führt und mit einem gelben Balken markiert ist. Der ehemalige Wachturm auf dem Lehestener Berg befindet sich etwa einen Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Am Osthang des Berges verlassen wir den gelb markierten Rundweg und folgen geradeaus den Markierungen mit dem grünen Balken.

Auf diesem Forstweg überqueren wir geradeaus die Landesgrenze. Kurz bevor dieser Weg die Straße nach Steinbach an der Heide erreicht, folgen wir links der blauen "12" nach Ludwigsstadt. Beim Abstieg am Sommerberg bietet sich dem Wanderer ein schöner Blick über das tief eingeschnittene Loquitztal.

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner