Vom Zoptetal zur Thüringer Warte

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Rundwanderung zwischen Gräfenthal und dem Ratzenberg (11 km, 422 Hm)

 

Die thüringische Kleinstadt Gräfenthal liegt malerisch in einem tief ins Schiefergebirge eingeschnittenen Talkessel. Auf einem Felsvorsprung hoch über der Stadt erhebt sich das Schloss Wespenstein. Die Grafen von Orlamünde errichteten die Burg im 13. Jahrhundert zur Sicherung der alten Heer- und Handelsstraße zwischen Nürnberg und Leipzig im hiesigen Gebiet. Der äußere Schlossgarten ist frei zugänglich. Im Schloss, das gastronomisch genutzt wird, finden regelmäßig Führungen statt.

Vom Gräfenthaler Marktplatz gehen wir in südlicher Richtung entlang der Marktstraße, folgen der Coburger Straße nach rechts und unterqueren das alte Viadukt der Bahnstrecke Probstzella - Sonneberg. Seit 1996 ruht im Abschnitt zwischen Probstzella und Ernstthal der Zugverkehr, seit 2008 lädt der Förderverein Max- und Moritzbahn e.V. zu Draisinenfahrten ein.

Links hinter der Bahnbrücke verlassen wir Gräfenthal auf dem Lichtenhainer Weg. Die Bergbau-Symbole des Schieferpfades führen nun durch ein kleines Seitental zwischen dem 646 Meter hohen Friedlersberg und dem 725 hohen Beerhügel. Nach zwei Kilometern erreichen wir das Grüne Band am Kolonnenweg, auf dem wir weiter nach links wandern.

Bei einigen Abschnitten des Biotopverbundes im Bereich des Schiefergebirges handelt es sich um den sonst sehr seltenen Lebensraum der Zwergstrauchheiden. Sie bildeten sich auf sauren, nährstoffarmen Tonschiefer-Böden, auf denen die DDR-Grenztruppen nicht nur den Wald rodeten, sondern stellenweise den Humus und die obersten Bodenschichten entfernten. Damit sollte eine allzu üppig nachwachsende Vegetation unterdrückt werden.

Eine charakteristische Pflanzenart dieses Lebensraums ist das Heidekraut, eine typische hier lebende Vogelart die Heidelerche. Im Vegetationsmosaik aus Zwergsträuchern, Moosen und Flechten befinden sich auch niedrigwüchsige Rosettenpflanzen, wie Arnika oder das Kleine Habichtskraut. Örtlich wächst massenhaft Keulen-Bärlapp. Typische Insekten im Bereich der offenen Flächen sind Sandlaufkäfer-Arten und die Gefleckte Keulenschrecke.

Eine Info-Tafel neben einem überdachten Rastplatz zeigt, wie man die Artenvielfalt in diesem Abschnitt des Grünen Bandes durch regelmäßige Entbuschung erhält. Dabei werden vor allem Fichten und Birken entfernt.


Sonnige offene Flächen mit niedrig wachsender Vegetation (z.B. Heidekraut) bieten der Heidelerche einen idealen Lebensraum.
Blick von der Thürniger Warte: Im Frühjahr zeichnet sich das Grüne Band mit seinen Laubbäumen und Büschen als hellgrüner Streifen inmitten des Fichtenwaldes ab.

Nach zwei Kilometern auf dem Kolonnenweg erreichen wir eine Wegekreuzung, auf der wir nach rechts das "Köchinnengrab" auf der fränkischen Seite erreichen. Einer Überlieferung zufolge wurde hier im 16. Jahrhundert eine Bedienstete der Lauensteiner Burg wegen Kindesmordes mit dem Tode bestraft.

Um zum 678 Meter hohen Ratzenberg zu gelangen, folgen wir dem Bergbau-Zeichen und der Markierung "R 44" nach links. An der Nordseite des Berges ist der Aufgang zur 26,5 Meter hohen Thüringer Warte. Der Aussichtsturm entstand 1963, um den Besuchern auf der fränkischen Seite der Grenze einen Ausblick auf das Thüringer Schiefergebirge mit den typischen, tief eingeschnittenen Tälern zu ermöglichen. Im Inneren des Turms dokumentieren historische Fotos und Schriftstücke die Grenzziehung, den Bau der DDR-Grenzsperranlagen sowie den Fall des Eisernen Vorhangs. Auf der Aussichtsplattform erlebt man das Grüne Band im Frühjahr bei Sonnenschein als hellgrün leuchtender Vegetationsstreifen inmitten der dunklen Fichtenwälder.

Um wieder nach Gräfenthal zu gelangen, geht man auf demselben Weg zurück zum Köchinnengrab, überquert den Kolonnenweg und folgt den Wegweisern zur Stadt (keine Markierungen).

Für eine Verlängerung der Wanderung nach Osten bieten sich zwei Varianten an: Wer die Audio-Tour in Richtung Probstzella fortsetzen möchte, folgt am Ratzenberg weiter den Bergbau-Zeichen. Nordöstlich von Lauenstein gelangt man zu schönen Aussichtspunkten auf Probstzella. Wer entlang der Audio-Route hinab nach Probstzella wandert, kann werktags vom Marktplatz mit einem Linienbus zurück nach Gräfenthal fahren. Alternativ bietet sich von der Thüringer Warte aus die Rundroute des Wetzsteinmacher-Wegs "R 44" an, auf dem man den Ratzenberg in einem großen Bogen umrundet und dabei nach Lauenstein gelangt (vergleiche jeweils Tour 5).

 

Bilder: © Frankenwald Tourismus / Regionalverbund Thüringer Wald / Ökologische Bildungsstätte Mitwitz / sonstige Partner