Eichsfeld
Genießen und ein wenig innehalten









Fachwerk, Burgen, Kirchen und lebendige Museen: Das Eichsfeld bietet für jeden etwas. Auch wer Stille und innere Einkehr sucht, ist in der Mitte Deutschlands richtig.
Dass sich das Eichsfeld kulturell von seiner Umgebung abhebt, belegen allein schon die rund 180 oft winzigen Fachwerkdörfer und - städte. Duderstadt etwa, die "Perle des Eichsfeldes", gilt als eine der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands. Das Herz der Stadt schlägt innerhalb der einst 1,7 km langen mittelalterlichen Stadtmauer, die noch in Teilen erhalten ist. Architektonisches Prunkstück ist das Rathaus, das von drei Turmspitzen gekrönt wird. Sehr zu empfehlen sind die thematischen Stadtführungen in der Stadt, etwa zu den Schankwirtschaften im mittelalterlichen Duderstadt. Und davon gab es eine Menge: 1661 machte eine Vorschrift aus jedem der 350 Brauhäuser in Duderstadt Schankwirtschaften. Ein Rundgang führt zu den Stätten historischer Braukunst - inklusive Bockbierprobe.
Lohnend ist sicher auch ein Besuch von Heilbad Heiligenstadt. Hier kann man sich im Literaturmuseum auf die Spuren Theodor Storms begeben. Das Museum berichtet über das Leben und Wirken des schleswig-holsteinischen Dichters besonders zwischen den Jahren 1856 bis 1864. In dieser Zeit arbeitete Storm in Heiligenstadt als Kreisrichter und lebte mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in der dortigen Wilhelmstraße.
Ein weiterer musealer Höhepunkt einer Reise durch das Eichsfeld ist das in Europa und vielleicht sogar auf der ganzen Welt einzigartige Europäische Brotmuseum. Es beleuchtet überaus anschaulich die über 8.000 - jährige Geschichte des Brotes in seinen vielfältigen Formen: Wer hautnah erleben will, wie Ötzis Zeitgenossen, die alten Römer oder die Menschen vor 100 Jahren ihr Brot gebacken haben, kommt an dem Ort Ebergötzen nicht vorbei. Wer will, kann sich im Brotmuseum sogar sein eigenes Brot nach Art der Altvorderen backen. Ebenfalls in Ebergötzen kann man auf den Spuren von Max und Moritz wandeln und zwar in der Wilhelm-Busch-Mühle. Die Gedenkstätte mit Mühlenmuseum präsentiert ein lehrreiches Stück Geschichte zu Leben und Werk des berühmten Dichters und Malers.
Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die beiden Grenzmuseen in der Region, welche mit Dauerausstellungen und Sonderveranstaltungen über die Deutsch-Deutsche Geschichte informieren. Von beiden Museen aus führen zudem herrliche Wanderstrecken entlang des Grünen Bandes. Zu bekommen sind in beiden Häusern auch die jeweils aktuellen Veranstaltungskalender zum Thema "20 Jahre danach" mit Fotoausstellungen, Lesungen sowie geführten Wanderungen und vielem mehr.
Bekannt ist das Eichsfeld auch wegen seiner Burgen. Als schönste Burgruine Mitteldeutschlands gilt die Burg Hanstein oberhalb von Rimbach direkt am Grünen Band. Die über 700-jährige Burg verkörpert die wechselhafte Geschichte im Eichsfeld. In der Nähe von Leinefelde sollte man unbedingt die Burg Scharfenstein besuchen. Die Burg liegt oberhalb Beurens auf einem Bergsporn am nördlichen Rande des Düns. Sie diente der Sicherung eines einst hier entlang führenden Handelsweges, der Salzstraße. Vor dem Burgtor thront in Form einer uralten Sommerlinde ein über 600-jähriges Naturdenkmal.
Ein weiterer kultureller Höhepunkt im Eichsfeld ist die Wasserburg in Großbodungen. Die Burg mit Fachwerkinnenhof, tonnengewölbtem Keller sowie einem ökologischen Rosengarten und dem Wartturm ist das Wahrzeichen von Großbodungen. Überregional bedeutsam ist das kulturelle Angebot in der zur Burg gehörenden historischen Kemenate, der "Galerie in der Burg". Hier gibt es Ausstellungen zu landes-, kultur- und naturgeschichtlichen Themen sowie zur darstellenden Kunst. Veranstaltungen zu Fragen aus Kunst und Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ergänzen das Veranstaltungsprogramm.
Auch die Burg Bodenstein bei Worbis bietet regelmäßig hochkarätige Veranstaltungen. Die Palette reicht von Kabarett über Lesungen bis hin zu Konzerten und politischen Diskussionen. Als evangelische Enklave im katholischen Eichsfeld thront die über 900 Jahre alte Burg etwa 500 Meter hoch auf einer der zahlreichen Bergnasen im Ohmgebirge. Die Anlage wird heute als Familienerholungs- und Begegnungsstätte der evangelischen Kirche genutzt. Die frühbarocke Burgkapelle, der Burggarten mit sich anschließender englischer Parklandschaft, die noch heute funktionstüchtige Zugbrücke und das sechs Meter tiefe finstere Verlies bieten Kindern und Eltern zwanglosen Urlaub für die Seele.
Besonders Charakteristisch für das Eichsfeld ist der tiefe Glaube eines großen Teiles der Bevölkerung. Bis auf ein kurzes protestantisches Zwischenspiel im 16. Jahrhundert war das Eichsfeld immer katholisch. Dieser Tradition verdanken die Menschen kunsthistorisch bedeutsame Kirchenbauten. So kann etwa Duderstadts St.-Cyriakus-Kirche auf eine lange Geschichte zurückblicken, denn bereits 1240 wurde der erste Stein ihres Westwerks gesetzt. Die "Eichsfelder Dom" genannte Kirche St. Alban in Effelder stammt zwar erst aus dem 19. Jahrhundert, ist mit seinem 56 Meter hohen Turm aber schon von weitem zu sehen. Aus dem Norden kommend ist der Anblick der Kirche besonders beeindruckend: Es scheint, als würde sie isoliert in der Landschaft stehen. Neben einer Reihe anderer Gotteshäuser ist die gotische Kirche St. Martin in Heilbad Heiligenstadt sehenswert, die als "Mutterkirche" des Eichsfeldes gilt. Auch Worbis hält für seine Gäste wahre Architekturschätze bereit, etwa der spätgotische Flügelaltar der Kirche St. Nikolaus oder die barocke Klosterkirche St. Antonius.
Sehr lebendig sind bis heute auch die zahlreichen Wallfahrten und Prozessionen. Seit Jahrhunderten sind die landschaftlich oft idyllisch gelegenen Wallfahrtsstätten das Ziel vieler Eichsfelder und zunehmend auch von deren Gästen. Kaum ein Sonntag, an dem nicht Glocken die Gläubigen zu den Wallfahrtskirchen oder -kapellen rufen. Auch eine der größten Palmsonntagsprozessionen Europas gibt es im Eichsfeld: Am Sonntag vor Ostern ziehen mehrere Tausend Gläubige mit lebensgroßen Passionsdarstellungen singend und betend durch die Straßen von Heilbad Heiligenstadt.
Geradezu ein "Exportschlager" des Eichsfeldes sind seine kulinarischen Spezialitäten: Die Eichsfelder Stracke, eine luftgetrocknete, schnittfeste Mettwurst aus Schweinefleisch, welches sofort nach der Schlachtung "warm" verarbeitet wird, der regionale Käse, der aus den Früchten der alten Streuobstwiesen hergestellten Most oder der unter Kennern begehrte Leinefelder Tafelsenf sind nur Beispiele. Zu bekommen sind diese Köstlichkeiten in den gemütlichen Gasthöfen der Region sowie in vielen Hofläden und auf den zahlreichen Märkten. Besuchen Sie etwa einmal den Eichsfelder Wurstmarkt in Duderstadt oder dem Eichsfelder Bauernmarkt, der jedes Jahr im Spätsommer Tausende Besucher in das Örtchen Kallmerode führt - es lohnt sich.
Weitere Informationen: www.eichsfeld.de


